»Care« AG

Ob Krankenpflege, Erziehung, Kochen, Einkaufen, Putzen, Zuhören oder Füreinander-Da-Sein. Ob öffentlich organisiert, staatlich verwaltet oder als kommerzielle Dienstleistung oder informell, unbezahlte Arbeit im Privaten. Care-Tätigkeiten sind die Grundlage unserer Existenz – individuell und gesellschaftlich. Gleichzeitig stellen sie die unsichtbare Seite kapitalistischer Ökonomie dar und sind gesellschaftlich ungleich verteilt. Austeritätspolitiken und Privatisierungswellen der letzten Jahre haben diese Situation dramatisch verschärft. Doch obwohl vielfach von einer „Krise sozialer Reproduktion“ die Rede ist, regt sich bisher wenig Widerstand. Nur vereinzelt werden in diesem Bereich politische Projekte entwickelt, Organisierungen entstehen selten. Themen wie Sorge oder Gesundheit werden von links bislang kaum besetzt. Aber gerade der Mangel an ausreichender und bedarfsorientierter Care-Infrastruktur und das allgemeine Überlastungsgefühl, das wir auch in unserem eigenen Alltag und unserer politischen Arbeit erleben, können zum Ausgangspunkt sozialer Kämpfe werden, die über die linke Szene hinausweisen. Im Widerstand gegen die neoliberalen Angriffe auf die öffentliche soziale Infrastruktur gilt es einerseits, sich mit den Kämpfen von Beschäftigten und progressiven Akteur*innen in den Gewerkschaften, aber auch mit den Empfänger*innen von Care-Leistungen zu vernetzen.
Als Care AG in der iL haben wir uns dafür entschieden, einen Schwerpunkt unserer politischen Arbeit auf Gesundheit als einem Teilbereich von Care zu legen. Denn gerade die Gesundheitsversorgung wurde in den vergangenen 30 Jahren in vielen europäischen Ländern zunehmend kommerzialisiert und privatisiert. Die Auswirkungen davon sind auch in Österreich spürbar: Die Streichung von Gesundheitsleistungen, die Deckelung der öffentlichen Gesundheitsausgaben, die Schließung von Präventionseinrichtungen, Ausgliederungen und (Teil)Privatisierungen von Gesundheitseinrichtungen, die Verkürzung der Liegedauern in Krankenhäusern und der Abbau der Selbstverwaltung der Sozialversicherung stehen dabei Kostensteigerungen bei Medikamenten, der Erhöhung von Selbstbehalten, Arbeitsverdichtung, dem Anstieg von Burn-Out in Gesundheitsberufen sowie der Zunahme an berufsbedingten Erkrankungen, der Erhöhung des Pensionsantrittsalters sowie Diskussion über die Ausdehnung der täglichen Höchstarbeitszeit gegenüber. Als Patient*innen werden wir zu Kund*innen und Co-Manager*innen unserer eigenen Gesundheit gemacht, die permanent an ihrer Selbstoptimierung arbeiten sollen. Auf diese Weise wurde ein Markt geschaffen, auf dem Pharmakonzerne und Unternehmen im Krankenhaussektor Milliarden Profite erwirtschaften.
Doch wir wollen nicht nur den Abbau bestehender Gesundheitsinstitutionen und die drohende Verschlechterung der Gesundheitsversorgung durch die voranschreitende Privatisierung verhindern. Wir wollen sowohl die Kritik an bestehenden Institutionen als auch eine breite Auseinandersetzung mit Alternativen einer solidarischen Gesundheitsversorgung befördern, die über die Dichotomien Staat/Markt sowie Gesundheit/Krankheit hinausreichen. Letztlich geht es darum, öffentliche soziale Infrastruktur von unten zu vergesellschaften und abseits paternalistischer und nationalistischer Modelle demokratisch zu organisieren. Denn es geht um Gesundheit für Alle!

Wir sind erreichbar unter il-wien@riseup.net

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