Kulturzentrum Amerlinghaus bleibt! – Protestbrief

Wien, 9.06.2016

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Häupl!

Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin Vassilakou!

Sehr geehrte Frau Stadträtin Frauenberger!

Wir wenden uns mit der dringenden Bitte an Sie, das Kulturzentrum im Amerlinghaus vor einem weiteren, existenzbedrohenden Personalabbau zu bewahren.

Gegenwärtig tragen nur noch 3 Teilzeit-Kräfte und 1 Vollzeit-Putzarbeiterin die Verantwortung für den gesamten Betrieb des Zentrums mit seinen 70 Initiativen und einer Nutzer_innenfrequenz von 60.000 Menschen im Jahr.

Die Lage des Kulturzentrums im Amerlinghaus ist ernst wie nie zuvor. Die Grundkosten-Subvention ist seit vielen Jahren nicht angepasst, sondern sogar gekürzt worden, während alle Kosten wie Miete, Betriebskosten, Energie,… in diesem Zeitraum enorm gestiegen sind.

Nach Jahren ohne Planungssicherheit wurde auch für 2016 unsere Forderung nach einer ausreichenden Grundkostenförderung für das Kulturzentrum nicht erfüllt. Die Kosten für Löhne, Miete und Energie betragen mittlerweile rund 10.000,- €, mehr als wir von der Gemeinde an Förderung erhalten.

Erschwerend kommt dazu, dass die Verhandlungen mit der GESIBA, an die die Miete von der MA13 direkt überwiesen wird, um eine Mietreduktion, eine gerechtere Aufteilung der Betriebskosten und dringend nötige Renovierungen im März 2016 gescheitert sind. Gleichzeitig hält die Gesiba aktuell einen Betrag von rund 200.000,- Euro zurück, der für Reparaturen und Sanierungen vorgesehen wäre. Der Ausgang des laufenden Verfahrens auf der Schlichtungsstelle ist ungewiss und zeitlich nicht absehbar. Das Unternehmen befindet sich zu fast 100 Prozent in Besitz der Stadt Wien, und trotzdem zeigt die GESIBA keinerlei Einlenken in dieser für das Kulturzentrum existenziellen Frage.

Das bedeutet für das Kulturzentrum nun, dass eine akute Finanzierungslücke besteht, für die innerhalb kurzer Zeit eine Lösung gefunden werden muss. Die Folgen von weiteren Personaleinsparungen wären
für das Zentrum verheerend und in ihren Konsequenzen gar nicht absehbar. Durch eine weitere Stundenkürzung würden wir arbeits- und handlungsunfähig, nicht zuletzt auch im Sinn der kritischen
Positionierung des Zentrums und seiner Parteilichkeit für prekarisierte und marginalisierte Positionen. Ein Freiraum ist mehr als ein „bloßer“ Raum! Wir fordern die Anerkennung der wichtigen Sorge- und
Schnittstellenarbeit zwischen Kunst und Kultur, Sozialem und Bildung, die hier generationenübergreifend, inter- und transkulturell sowie zivilgesellschaftlich hinweg täglich geleistet wird! Diese Arbeit wird durch die fehlende Finanzierung verunmöglicht!

Jahrelang wurde an allen Ecken und Enden gespart, um mit dem real immer weniger werdenden Fördergeld auszukommen, während gleichzeitig der Bedarf an Freiräumen steigt, die, entgegen der fortschreitenden sozialen Verdrängung und Kommerzialisierung, einen sorgsamen und inkludierenden Umgang miteinander in den Mittelpunkt stellen.

Daher ersuchen wir Sie in aller Dringlichkeit, die drohenden Personalkürzungen im Kulturzentrum im Amerlinghaus abzuwenden und dafür Sorge zu tragen, dass der Betrieb des Zentrums endlich nachhaltig mit einer ausreichenden Grundkostenförderung gesichert wird. Nur so kann Planungssicherheit und damit die Konzentration aller Beteiligten auf die eigentliche inhaltliche Arbeit des Zentrums gewährleistet werden!

Wien als Stadt gehört allen ihren Bürger_innen, dafür braucht es weiterhin das Kulturzentrum Amerlinghaus!

Wir ersuchen Sie, uns über alle Schritte zu informieren, die Sie in dieser Angelegenheit setzen.

Mit freundlichen Grüßen,

Interventionstische Linke Wien

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